In den 90er Jahren habe ich sehr aktiv in der Aufklärung gegen das System Scientology mitgerbeitet.

Einige meiner Artikel für den Robin Direkt Report zeige ich hier in überarbeitetet Form:
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Jäger und Gejagte der Scientology

Wenn es sich darum dreht, Scientologen gegen eine unliebsame Personengruppe aufzuhetzen, ist die amerikanische Führung der Scientology schnell bei der Hand. Eine schriftliche Mitteilung des Führers David Miscavige oder des Gründers L. Ron Hubbard genügt, um sämtliche benachrichtigten Scientologen in Kampfbereitschaft zu versetzen. Auf diese Weise sind eine ganze Reihe von Personengruppen zusammengekommen, welche unter Scientologen als "Feinde" oder "Verräter" gebrandmarkt und diskriminiert sind:

  • Psychiater und Psychologen werden von Scientologen grundsätzlich als Konkurrenten bzw. sogar als "Feinde" betrachtet, welche allen ihren Patienten und überhaupt der Menschheit bewußt Schaden zufügen. Um dies zu "belegen", wird "Beweismaterial" konstruiert.
    In den Kampfschriften heißt es dann typischerweise:
    "... trotz der falschen Daten von Freud, Psychologen, Psychiatern und anderen Kriminellen ...." (Aus einer Anleitung vom 26.8.82)
    Scientologen verwenden für Psychologen, Psychiater und Psychopathen gleichermaßen den verächtlichen Ausdruck "Psychs".
    "Es gibt gegen Verbrechen nur eine Abhilfe: Die Psychs loswerden! Sie verursachen es. [...] Ihre Brutalität und Herzlosigkeit sind bekannt. [...]Sie sollten behandelt werden wie alle anderen Kriminellen. Sie sind bestenfalls dramatisierende Psychotiker und gefährlich, aber gefährlicher für die Gesellschaft als die Psychotiker, die sie in ihren Praxen und Anstalten haben ..."
    (Anleitung vom 6.5.82)
    Es ist denkwürdigerweise kein Fall bekannt geworden, in dem ein Psychiater- oder Psychologenverband gerichtlich gegen diese massive Verunglimpfung und Verhetzung vorgegangen wäre.

  • Priester werden wie Konkurrenten betrachtet und oft mit "Psychs" gleichgesetzt: " ... "Psychs" und "Priester" - eigentlich der gleiche Verein ...".(Anleitung vom 5.6.84)

  • Journalisten wird von Scientologen unterstellt, grundsätzlich negativ über Scientology berichten zu wollen. Hubbard empfiehlt massive Manipulation, um die Berichterstattung zu beeinflussen. PR-Mitarbeiter, die mit Presse zu tun haben, werden auf "verbale Karate" gedrillt und als Agenten dem Geheimdienst OSA zugeordnet.

  • Regierungsbeamte werden als grundsätzlich gegen Scientology eingestellt angesehen ó bis das Gegenteil deutlich wird. Scientologen handeln hier nach dem Motto "Im Zweifelsfalle gegen den Verdächtigen".

  • Kritiker und mögen sie noch so konstruktiv sein, sind bei Scientology nicht zugelassen. Sie werden erbittert verfolgt, bespitzelt, bedroht und mit allen Mitteln möglichst in den Ruin getrieben.

  • Humoristen, Satiriker: Wer sich über Scientology lustig macht, kommt auf die Abschußliste. Scientologische Mitarbeiter, welche ihre Arbeit mit Humor würzen wollen, landen in der Ethikabteilung. Ihnen wird grundsätzlich unterstellt, zerstörerische Absichten zu haben (Anweisung vom 5.2.77).

  • Aussteiger/Abtrünnige sind für das System Scientology "Unterdrückerische Personen", "Feinde" oder "Verräter". Scientologen dürfen keine Kontakte mit ihnen pflegen. Ihnen wird grundsätzlich unterstellt, aufgrund eigener Verbrechen (!) "abgehauen" zu sein. Sie werden entsprechend als "Verbrecher" diskriminiert.

  • Südafrikaner haben laut Hubbard besonders verdrehte "Kontrollstrukturen" in ihrer Psyche und brauchen eine Sonderbehandlung zu diesem Thema. Die Verfahrensanleitung vom 2.2.61 trägt sogar den Titel "UK Fälle sind anders". Würde irgend ein anderer Verein in Deutschland auch nur entfernt ähnliches propagieren, gäbe es zu Recht einen öffentlichen Skandal, einen Sturm durch alle Medien.

  • Homosexuelle werden in der Scientology als "krank" bzw. "aberriert" diskriminiert, es wird ihnen versprochen, ihr "Leiden" würde sich durch "Auditing" wandeln. Homosexualität wird mit Kriminalität und "Versteckter Feindseligkeit" gleichgesetzt (lt. Hubbard Tabelle der menschlichen Bewertung). Dennoch sind viele Fälle bekannt, in denen selbst "hohe OTs" weiter homosexuell sind. Wie stehen die wohl bei anderen Scientologen da, wenn es herauskommt? Ein Sohn des Gründers, Quentin Hubbard, könnte sicher ein Lied davon singen. Er starb jedoch - unter mysteriösen Umständen.

  • Vorbestrafte Kriminelle werden bloß pro forma diskriminiert. Sie dürften gemäß den Richtlinien gar nicht an Dienstleistungen der Scientology (Auditing) teilnehmen. Die Erfahrung zeigt, daß diese Richtlinie nicht eingehalten wird. Wer einem Scientologen ein Verbrechen anvertraut (was dieser schriftlich an "Ethik" zu berichten hat!), hat weder eine Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft zu befürchten noch einen Ausschluß aus der Scientology. Es sei denn, er schadet dem Ansehen der Organisation.

  • SchwacheMenschen - für sie gelten die scientologischen Regeln " Scientology macht die Fähigen fähiger.", "Niemand hat irgend ein Recht auf eine Bank ("Bank" steht scientologisch für menschliche Fehler und nicht optimales Handeln), " Die einzige Person, der man vollständig trauen kann, ist ein Clear."(beides Anweisung vom 23.4.1965) "Nur die Tiger überleben." (Anweisung vom 7.2.65) Schwächen sind also im System nicht erlaubt.

  • Personen mit esoterischen Erfahrungen wird unterstellt, "für alles offen" zu sein und sich nicht wirklich für "einen Weg" (sprich für Scientology) entscheiden und einsetzen zu können. Sie dürfen scientologische Kurse und Auditing nur absolvieren, wenn sie sich verpflichten, keinerlei Meditationen, Übungen und anderweitige Studien zu betreiben.

Nach alledem stellt sich die Frage, wer überhaupt von der Scientology nicht diskriminiert wird. "Scientology steht allen Menschen offen" ist eine Redensart, die de facto nur stark eingeschränkt gilt. Sie müßte eher heißen "Alle Menschen sind aufgefordert, sich in das System Scientology einzufügen". Erst wenn sie dies tun, sind sie willkommen. Und werden nicht mehr diskriminiert.

Übrigens: Scientologen bezeichnen sich als "diskriminierte, verfolgte Minderheit". Wie kann man in einen so ideologisierten Kopf die Chance bringen, mit ein wenig Abstand und Besinnung über das System nachzudenken?




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Wo bleiben die früheren scientologischen Freunde?

In einer nachdenklichen Stunde im Advent wünschte ich mir, mit einigen Freunden aus der Scientology-Zeit diskutieren zu können. Ein müßiger Gedanke, denn das System läßt es nicht zu.

Zum einen dürfen diejenigen, die in der Scientology verblieben sind, nicht mehr mit mir als Aussteiger reden. Zum anderen dürfen Scientologen über gewisse Themen wie beispielsweise den Geheimdienst sowieso nicht allzuviel wissen. Geschweige denn eigenen Gedanken dazu frei äußern oder gar die Methoden kritisieren. Der Schutz vor Kritik ist wie in der DDR oder NSDAP ins System eingebaut. Das System und seine Führer schützen sich auch vor konstruktiver Kritik - und damit vor lebendiger, menschlicher Auseinandersetzung.

Ich selbst hätte dies natürlich damals als Scientologe energisch bestritten und wäre sogar davon überzeugt gewesen daß ich schon dürfte, wenn ich es nur wollte. Was wären das heute für Gespräche, wenn wichtige Themen einfach tabu bleiben?

Allzu gut erinnere ich mich daran, wie einig wir uns (damals!!) in wichtigen Dingen des Lebens waren. Einige der damaligenÜberzeugungen:

  • Jeder Mensch hat Probleme/Schwächen/"Aberrationen". Das läßt sich nur durch Scientology ändern. Es gibt keinen anderen Weg.

  • Im "Auditing" werden alle Probleme/Schwächen/"Aberrationen" wirklich und völlig aufgelöst. Bis nur noch Stärken übrigbleiben ("Totale Power", "Totale Freiheit").

  • Alleine, ohne Scientology werden die "Aberrationen" eher schlimmer und man ist letztendlich dem Untergang geweiht, in diesem Leben und überhaupt.

  • Wirklich brauchbare Hilfestellungen gibt es ausschließlich bei Scientology. L. Ron Hubbard ist der einzige Mensch, der "weit genug entwickelt" ist um "gute" Methoden schriftlich weitergeben zu können und vor "schlechten" fundiert zu warnen.

  • Die penibel notierten persönlichen Informationen in den Auditingakten sind bei der Scientology in völlig sicheren Händen.

  • Es gibt in der Organisation Scientology zwar Mißstände (wie Preise, Druck), aber das System muß die ja zwangsläufig irgendwann selbst auflösen.

Die einhellige Übereinkunft in allen diesen Punkten macht mir heute deutlich, wie sehr dies eine zielstrebige Gleichschaltung war und ist. Das Prinzip " Gleichschaltung" ist nicht nur im Geschichtsunterricht, sondern auch in der Scientology bekannt. Dort heißt es "Bankübereinkunft" Und es hat natürlich mit einem selbst als Scientologe nichts zu tun. So gibt einfach es Dinge, welche aus Diskussionen ausgeschlossen sind.

Schade eigentlich! Der eine Freund, mit dem ich damals viel erlebt habe (und er mit mir!!), hat sein Elternhaus hier in der Gegend, wo ich seit meiner Kindheit wohne. Er kommt sicher gelegentlich aus Bayern, wo er sich mittlerweile als Anwalt für das System engagiert, hier vorbei. Aber das Prinzip hat höhere Priorität als Menschlichkeit und Freundschaft. Unser letztes Gespräch war noch ganz freundschaftlich, er machte sich Sorgen um meine damals schwierige Lage. Beim Abschied teilte ich ihm mit, daß ich aus Scientology ausgetreten sei. Das wirkte wie ein Donnerschlag! Sein Gesicht wurde hart und unbeweglich: "Das hättest Du mir vorher sagen müssen! Dann hätten wir uns nicht getroffen." Das waren die letzten Worte, die ich von ihm hörte. Das ist nun viele Jahre her und wenn er nicht irgendwann einmal eine ähnliche Entwicklung macht, werden seine freundschaftlichen Empfindungen mir gegenüber weiter auf scientologischem Eis liegen. Vielleicht hat er sie sogar im Auditing in die Schublade "Aberration" eingeordnet.

Dann gibt es natürlich den Schulfreund, der mich zur Scientology gebracht und auch vor mir den Austritt erklärt hatte. Mit dem hatte ich noch lange zusammengearbeitet, um die Methoden ohne Mitgliedschaft weiterzutragen. Auch nach dieser Phase waren wir noch lange miteinander verbunden und konnten sogar kritisch über scientologische Methoden sprechen. Bis er merkte, daß ich sie nicht mehr wirklich vertrat. Da sah er mich wohl als "verlorenes Schaf" an oder so. Ich werde es wohl nicht erfahren. Meine letzten Fragen hat er nie beantwortet, jedes Treffen vermieden. Er hatte mein Leben entscheidend mit geprägt. Auch hier steht das Thema Scientology zwischen zwei Menschen.

Einige Menschen, zu denen vielleicht nicht freundschaftliche, aber doch freundliche Verbindungen bestanden gehen mir ebenso durch den Kopf: die Mutter dieses Freundes und seine Schwestern, eine Architektenfamilie in Bayern, eine Bankiersfrau und ihr Sohn aus dem Allgäu, eine Lehrerin, der Töpfer und seine Familie, ein Rathausmitarbeiter, ein Arzt und einige andere.

Viele andere, mit denen ich nie warm werden konnte, obwohl sie doch in Hunderten von Auditingstunden "an sich gearbeitet" hatten und zu "Clears" und "OTs" "aufgestiegen" waren, könnten vielleicht heute fruchtbare Gespräche führen. Mein Gott, was hatten die und was habe ich denn für Fehler - wie alle! Ist denn deswegen der eine oder andere besser oder schlechter?

Doch all die Gespräche, die oft weit über Scientology hinausgingen (Ja, auch als Scientologe hatte man noch andere Themen!) - sie sind nicht mehr möglich. Wegen Scientology. Welch ein System!

Bernhard Sandkühler

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